Seit vier Jahren sei der Ruf der Musikindustrie mit schlechten Nachrichten beleumundet. Es gehe also um nicht mehr und nicht weniger als um die Zukunft der Musikwirtschaft. Sie lebe davon, musikalische Kreativität zu verwerten. Daher liege ihr viel daran, die KünstlerInnen selbst zu erwähnen: Wer betreue und promote sie? Wer fördere sie? Welcher Anteil an der Verwertung verbleibe bei den KünstlerInnen? Die Verwertungskette hänge nur an der Krativität der Künstler – aber diese Kette sei an manchen Stellen brüchig geworden. Die Majors wollten deutsche Künstler nicht fördern – das führe für viele zu dramatischen, existenbedrohenden Veränderungen. Allerdings gebe das aber auch anderen Firmen Chancen, in diese Lücke zu stoßen.
Seit in den 20er Jahren das Radio aufkam, habe die Plattenindustrie die Krise beschworen. Der Weg heraus werde nur darüber führen, technische Innovationen zu integrieren, aber auch den Missbrauch dieser Möglichkeiten zu bekämpfen, z.B. die Verletzung der Urheberrechte.
Weiss sagte, sie habe Studien gesehen, nach denen die Musikwirtschaft im Jahre 2006 bis zu 30 Prozent der Umsätze über den Mobilfunk erzielen werde. Ohne Visionen gebe es keine Entwicklungen – aber die Frage sei, ob unsere Antworten reichen.
Wie verändert sich Clubszene angesichts demographischer Entwicklungen? Reichen die Rahmenbedingungen aus, die der Staat setzt? Wo stehen den innovativen Lösungen Hindernisse entgegen?
Die Bundesregierung habe sich der Rahmenbedingungen angenommen, etwa auf dem Gebiet der Steuer für ausländische Künstler und des Urheberrechts. Das habe lange gebraucht, werde aber inzwischen von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen. Seit Herbst werde der Zweite Korb verhandelt. Dabei sei das Bundesjustizministerium federführend, aber es sei absehbar, dass die Regelungen Auswirkungen auf die Musikindustrie haben werden.
Nicht eingehen wolle sie auf die Forderung nach einer Rundfunkquote – nur durch ein Aufeinanderzugehen könnten dort beide Seiten gewinnen.
Posted by Matthias Spielkamp at 26.04.04 22:51