Er sehe ein Missverständis, wenn über das Verhöltnis zwischen Musik und Wirtschaft gesprochen werde – „Musik ist Wirtschaft, und es sei die Überlegung gewesen, den Kongress zu veranstalten, um darauf hinzuweisen.
Aber er wolle Nicht die Möglichkeiten des Kongresses nutzen, um eine Klagemauer zu bauen, weil es der phonographischen Industrie schlecht gehe. Es dürfe nicht der Eindruck erweckt werden, der Musikwirtschaft gehe es schlecht, sie brauche Hilfe – im Gegenteil, sie sei stark und kreativ.
Man müsse sich ansehen, in welchen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen die Branche arbeite. Das seien Demokratie und soziale Marktwirtschaft, in der es Wachstumsschwierigkeiten gebe, aber eben auch das Anrecht auf freies Unternehmertum – eigentlich also ein Unternehmerparadies. Was nun enge dieses Paradies ein? Die Wirtschaft an sich – Kultur als Wirtschaft – sei eine junge Branche. Als Schwenkow angefangen habe, hieß es z.B. bei der Zeitung: Feuilleton oder Wirtschaftsseite. Aber Unterhaltung sei schon immer Wirtschaft gewesen.
In den 20er und 30er Jahren hätten in Berlin viele erfolgreiche Unterhaltungsmacher reüssiert als Unternehmer. Er rate, Max Epsteins Buch „Theater als Geschäft“ zu lesen, um einen Eindruck davon zu bekommen. In ihm habe Epstein geschrieben: „Die Bankiers waren schon Anfang des Jahrhunderts risikoscheue Menschen, die Sicherheiten wollten für ihr Geld.“
Bis zum 2. Weltkrieg sei die Musikwirtschaft kaum reguliert gewesen, in der Theaterwirtschaft sei es ähnlich, es könne niemand behaupten, die Arbeit Max Reinhardts hätte nichts mit Kultur zu tun gehabt - er sei Unternehmer in Sachen Kultur gewesen. Nach dem 2. weltkrieg, als der Hunger auf Nahrung und fremde Länder gestillt gewesen sei, sei der Hunger nach Kultur gefolgt.
Auf leisen Sohlen habe die Subventionierung eingesetzt, durch Sendesäle und staatlich unterstütze Kulturfestivals. Auf laute Sohlen sei in der 50er und 60er der Rock’n’Roll gekommen. Das sei als Rebellion verstanden worden, und daher nicht subventionswürdig, also kommerziell – durch diese Entwicklung sei der Graben zwischen „E“ und „U“ immer größer geworden. Ein Streit ums Publikum habe begonnen, der nicht immer fair geführt worden sei, etwa mithilfe von Subventionen. Die Musikwirtschaft habe in der Situation nicht gewusst, was sie wollte.
Zunächst müssten folgende Frage geklärt werden: Sind wir gut? Arbeiten wir optimal? Bevor wir etwas fordern von der Politik, von den Kunden? Sind wir wettbewerbsfähig?
Für sein Unternehmen könne er sagen, die DEAG sei „fit for the future“. Der Musikwirtschaft gehe es ähnlich – ergo: vor der eigenen Tür habe sie gekehrt. Darum müsse über Regulierung gesprochen werden. Als Unternehmer sei er im Prinzip gegen jede Form von Regulierung – der Kunde sei König. Ist GEMA Regulierung? Wahrscheinlich nicht. Ist die Ausländersteuer eine Regulierung? In der jetzigen Höhe schon. Ist die KSK Regulierung? Sie sei Wegelagerei. Ein Musical- oder Revuetheater mit staatlicher Unterstützung sei eine Schande in einem Land mit Armut und Arbeitslosigkeit. Wo die Musikwirtschaft eine Chance habe, Geld zu erwirtschaften, gehöre Regulierung abgeschafft.
Posted by Matthias Spielkamp at 26.04.04 22:55