16.11.04

Katastrophal: c't-TV zur Privatkopie

Habe mir gerade c't-TV angesehen, weil ich wusste, dass das Magazin über die Frage berichtet, was man legal kopieren darf. Es war erschütternd. Zum rechtlichen Status der Aussagen werde ich nochmal einen Experten befragen und den Beitrag aktualisieren. Meiner Ansicht nach waren sie bisweilen schlicht falsch, und wenn sie nicht falsch waren, waren sie zumindest immer zugunsten der Rechteinhaber verkürzt.

Besser als die juristischen Aspekte kann ich die filmisch-journalistischen beurteilen: Die Sendung ist extrem billig und lieblos gemacht, die ganze Optik ist c't-like, aber ohne den manchmal noch recht witzigen Nerd-Touch (ich sage nur: Grafik-Pinguine). Die Anleitungen zur Foto-Retusche waren eine Unverschämtheit ("Ein Foto so retuschieren, dass es hinterher einen anderen Hintergrund hat, kann mit der Software auf unserer c't-CD (Gimp!) jeder." Haha).

Viel schlimmer noch die Bildsprache des Kopier-Beitrags - ständig schnappten Handschellen zu, der "Experte" (ein Anwalt) sagte sinngemäß: Jetzt ist jede Kopie illegal, also Finger weg, denn die Rechteinhaber schlagen zu. Unterstützt wurde dieser Tenor vom Rest des Beitrags (in Tauschbörsen anonym? Pustekuchen - wir wissen, wo ihr wohnt!). Dann wurde auch noch der widerlichste Spot der "Hart aber gerecht"-Kampagne ("Mein Raubkopierer hat den geileren Arsch") gezeigt mit dem Antext: "die umstrittene Kampagne..." Der Anwalt dazu: Die Industrie hat's ja lange genug mit Aufklärung versucht, also... (Dazu mein Beitrag vom 19.April 2004.)

Die IFPI und die Filmwirtschaft lassen die Korken knallen und liegen sich schallend lachend in den Armen. Ich halte mich nicht für naiv, aber mit sowas hatte ich unter dem Label c't nicht gerechnet. Ob die Berichterstattung im Heft immer richtig ist, darüber lässt sich sicher streiten, aber sie ist wenigstens differenziert.

Es bleibt dabei: Fernsehen ist nicht nur doof, es macht auch doof.

Posted by Matthias Spielkamp at 16.11.04 14:14
Comments