03.01.05

nach uns die Sintflut - vor uns die vergessenen Konflikte?

Eigentlich wollte ich mich nur an der gemeinsamen Aktion der deutschen Internetseiten beteiligen und hatte daher ihr Banner ins Blog gestellt, mit dem dazu aufgerufen wird, für die Opfer des Seebebens in Südostasien zu spenden - getragen von einer Vielzahl von Hilfsorganisationen.

An einer Diskussion darüber hatte ich wenig Interesse, da sie ja mit den Themen, die im immateriblog verhandelt werden, nichts zu tun hat. Aber so kommt's eben manchmal: Nun muss ich doch was schreiben.

Denn bereits am Tag zuvor hatte Ulrike von Pilar, Geschäftsführerin der deutschen Sektion der "Ärzte ohne Grenzen" in der Tagesschau zum ersten Mal potenzielle Spender gebeten, ihre Spenden nicht zweckgebunden zu vergeben, da die Organisation sonst nicht darüber entscheiden kann, das Geld woanders einzusetzen, wenn sie das für sinnvoller hält.

In einem Gespräch mit der dpa (zitiert im Tagesspiegel) sagte sie heute: "Wir sind völlig überwältigt von der Großzügigkeit der Spender in Deutschland. Zweckgebundene Spenden für Südostasien können wir nicht mehr annehmen." Die Organisation veröffentlichte zum Thema eine detaillierte Begründung auf ihrer Website; Pierre Salignon, der Generaldirektor der Hilfsorganisation, sagte am Dienstag in Paris: "Es ist das erste Mal, daß wir eine solche Entscheidung treffen. Aber es ist eine Frage der Ehrlichkeit unseren Spendern gegenüber", schreibt faz.net, die weiter ausdführt: "Das Spendenaufkommen sei mit insgesamt mehr als 40 Millionen Euro aus den 18 Ländersektionen von 'Ärzte ohne Grenzen' so hoch, daß es den Bedarf für die Hilfsarbeit von MSF in der Krisenregion überschreite. Salignon bezeichnete die Spendenbereitschaft als 'überwältigend'. [...] Der Generaldirektor verwies darauf, daß seine Organisation Spenden für andere 'vergessene Krisenregionen' wie im Sudan oder im Kongo weiter benötige. Er wolle auf keinen Fall das 'Solidaritätsgefühl' mit den Flutopfern verletzen."

Es wird der Organisation nicht leicht gefallen sein, diese Entscheidung zu treffen. Reaktionen wie "die haben es wohl nicht nötig" sind nicht ausgeschlossen. Gerade darum halte ich sie für mutig - und richtig.

Darum nun statt des Web2help-Aufrufs lieber der Hinweis auf die "Ärzte ohne Grenzen".

Logo von Ärzte ohne Grenzen

Posted by Matthias Spielkamp at 03.01.05 15:14
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