
Open Access ist unter Wissenschaftlern weitgehend unbekannt, wobei die Geisteswissenschaftler noch unwissender sind als die Naturwissenschaftler. Open Access bekannt zu machen ist das beharrliche Bohren dicker Bretter, wobei es vor allem darum gehen muss, Anreize zu schaffen, die Wissenschaftler dazu bringen, ihre Publikationen öffentlich zugänglich zu machen. Darüber hinaus wird der Begriff Open Access so unspezifisch gebraucht, dass er nur schwer zu vermitteln ist.
So kann man meiner Ansicht nach die wichtigsten Ergebnisse des Arbeitstreffens zu Open Access zusammenfassen, das gestern und heute in Göttingen stattgefunden hat. Veranstalter waren die Deutsche Initiative für Netzwerkinformation e.V. (DINI), SPARC Europe – The Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition und GAP – German Academic Publishers.
Der Veranstaltungsort hätte nicht besser gewählt sein können: Im historischen Gebäude der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Niedersachsen in der Paulinerkirche befand man sich nicht nur im Herzen der Provinzstadt und Wissenschaftsmetropole Göttingen. Sondern auch eingerahmt von den Werken solcher Geistesgiganten wie Georg Christoph Lichtenberg und Carl Friedrich Gauss – denen man wohl getrost unterstellen kann, dass sie die Open Access-Idee unterstützt hätten, hätte es sie zu ihrer Zeit bereits gegeben.
Der Beginn der Konferenz muss für die versammelten Unterstützer der Bewegung jedoch zugleich ermutigend und ernüchternd gewesen sein. Ermutigend, weil prominenter Besuch gekommen war: Christiane Ebel-Gabriel, Generalsekretärin der einflussreichen Hochschulrektorenkonferenz (HRK), zeigte durch ihre Anwesenheit, dass die HRK dem Thema eine gewisse Bedeutung beimisst.
Umso ernüchternder war jedoch, was sie zu verkünden hatte. Aus einer bisher unveröffentlichten Studie (Powerpoint-Datei, 3,8 MB) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) trug sie vor, dass 75 Prozent der Naturwissenschaftler und sogar 85 Prozent der Geisteswissenschaftler Open Access gar nicht kennen – geschweige denn nutzen. So werden in Deutschland in den Naturwissenschaften 20 Prozent aller Zeitschriftenaufsatz zusätzlich über das Internet verfügbar gemacht, in den Geistes- und Sozialwissenschaften sind es sogar nur 5 Prozent.
Enttäuschende Zahlen für diejenigen, die sich dafür einsetzen, dass so viele wissenschaftliche Inhalte wie möglich über die so genannten Institutional Repositories, auf Deutsch also etwa institutionelle Datenbanken, verfügbar gemacht werden.
Für Stevan Harnad, einen der Gründer und brillanten Chef-Lobbyisten der Bewegung, eine willkommene Einladung, in einer klaffenden Wunde zu bohren. Oft werde die Verantwortung für das schneckenhafte Aufgreifen des Konzepts auf die berüchtigten Wissenschaftsverlage abgeschoben, so der Professor an der University of Southampton. Die würden angeblich die Wissenschaftler durch Knebelverträge daran hindern, ihre Aufsätze frei und kostenlos über das Internet zugänglich zu machen, um so Wissenschaftler und Bibliotheken weltweit zu zwingen, ihre überteuerten Journals zu abonnieren.
Die Zahlen sprächen jedoch eine ganz andere Sprache: 92 Prozent der 24.000 Zeitschriften erlaubten es ihren Autoren, den so genannten „grünen Weg“ des Open Access zu beschreiten – was bedeutet, dass sie es den Wissenschaftlern gestatten, ihre Beiträge zeitgleich zur Veröffentlichung in der Zeitschrift des Verlags in ein Repository einzustellen.
Wohlgemerkt: zeitgleich, nicht etwa sechs oder zwölf Monate später, wie es kürzlich als ergänzende Regelung für den zweiten Korb der Urheberrechtsnovelle von Reto Hilty und Gerd Hansen vom Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum,
Wettbewerbs- und Steuerrecht vorgeschlagen worden war.
Der Open Access-Anteil könne also längst bei 92 Prozent der Artikel liegen, statt bei den mageren 15 Prozent, die tatsächlich erreicht sind, beklagte Harnad. Dass das nicht der Fall ist, liege unter anderem daran, dass zu oft Open Access mit Open Access-Publizieren verwechselt werde. Der „goldene Weg“ werde zu oft als das Ideal gesehen, das anzustreben sei. Diesen Begriff hat Harnad für die Variante geprägt, nicht in einer eingeführten Zeitschrift zu veröffentlichen und den Beitrag dann offen zugänglich zu machen (das ist der „grüne Weg“), sondern eigene Open Access-Zeitschriften aufzubauen, die dann mit den etablierten in Konkurrenz treten. Langfristig sei es zwar zu wünschen, dass alles wissenschaftliche Publizieren diesen Weg gehe, doch im Moment komme es vielmehr darauf an, die leeren Repositories zu füllen.
Wie die Politik diesen Weg unterstützt – nämlich gar nicht – wurde in einer aufschlussreichen Randbemerkung deutlich, die Ebel-Gabriel in ihrer Rede machte. Sie habe zahlreiche enttäuschende offizielle Begegnungen mit der Justizministerin Zypries gehabt, in denen es darum ging, im Rahmen der Urheberrechtsnovellierung für die Bedürfnisse der Wissenschaft zu werben. Als sie die Ministerin kürzlich im Café Einstein getroffen habe, sei über der Kaffeetasse deutlich geworden, dass ihr Verständnis für diese Belange wachse. Glücklich, kann man da nur anmerken, wer einen solchen Zugang hat – und wird gleichzeitig das Gefühl nicht los, dass es nicht vordringlich die öffentlichen Interessen sind, die bei derartigen „Gesprächen über der Kaffeetasse“ gestärkt werden.
Was man natürlich nicht Ebel-Gabriel zum Vorwurf machen kann, die einen sehr gut über das Thema informierten Eindruck hinterließ (bzw. ihr Redenschreiber). Ihrer Ansicht nach komme es darauf an zu klären, wie eine flächendeckende und nachhaltige Infrastruktur für Open Access zur Verfügung gestellt werden könne, wobei Pragmatismus der Vorrang vor Dogmatismus gegeben werden sollte. Man neige in Deutschland dazu, Fragen fundamental klären zu wollen und die Mühen der Ebene zu scheuen. Dabei gebe es genug Verlage, die ihren Autoren faire Bedingungen anböten, so dass sich lohne, mit ihnen zusammen zu arbeiten.
Vor allem müsse aber der Druck auf den Gesetzgeber aufrecht erhalten werden, dem man deutlich machen müsse, dass Open Access im Sinne der Wissenschaft sei. Dankenswerterweise widerstand sie der Versuchung (oder habe ich es nur verpasst?), das gleich wieder in die Totschlagargumente Fortschritt, Innovationsfähigkeit, Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze umzusetzen. Jedoch seien auf diesem Weg die Verlage mächtige Gegner. Sollten Harnads Zahlen stimmen, wäre dies jedoch wieder nur für den „goldenen Weg“ relevant, da ja 92 Prozent der Verlage dem „grünen“ bereits zugestimmt hätten.
Ich hatte noch keine Gelegenheit, diese Angaben zu recherchieren, weil es in Göttingen zwar selbstverständlich ein zuverlässiges WLAN gab, das aber – wie immer an Universitäten – nur für Uni-Angehörige zugänglich ist und die Veranstalter derartiger Konferenzen es regelmäßig versäumen, Gastzugänge zu organisieren.
Harnad hörte während des gesamten Treffens nicht auf, den Querulanten zu geben. Fast jedes Mal hatte man anschließend den Eindruck, er habe wieder den Nagel auf den Kopf getroffen – egal, um welchen Nagel es sich dabei gerade handelte. Der meiste Widerstand schlug ihm noch beim Thema Qualitätssicherung entgegen. Viele Teilnehmer waren der Ansicht, dass sich diese Frage auf lange Sicht nicht ausklammern lasse; dass im Gegenteil die Open Access-Bewegung einen großen Beitrag dazu leisten können, die Qualität wissenschaftlicher Publikationen zu verbessern.
Vor allem Ulrich Pöschl von der TU München präsentierte ein interessantes Konzept, mit dessen Hilfe es einer Open Access-Zeitschrift im Fachbereich Klimaforschung gelungen ist, die Dominanz der etablierten Journale zu durchbrechen. Dabei werden Beiträge bereits als Pre-Prints, also in Vorabversionen, ins Netz gestellt, um dann begutachtet zu werden. Auf diese Art würden die Inhalte schneller bekannt, zugleich aber eine bessere Begutachtung bekommen, was die Qualität der endgültigen Beiträge erhöhe. Beides trage dazu bei, dass der Ruf der Zeitschrift selber steige. „Wenn wir den Bedarf nach Validierung der Erkenntnisse nicht mit bedienen, schaffen wir dann nicht die Möglichkeit für Verlage, ein Nadelöhr herzustellen, um die gleichen Marktmechanismen wieder herzustellen wie zu den Zeiten vor Open Access?“, fragte Pöschl.
Harnad fasste in seinem Vortrag noch einmal die Gründe dafür zusammen, warum Open Access nur so zögerlich aufgriffen werde. Seine Metapher dafür ist „Zenos Lähmung“: Wenn man den Eindruck hat, es sei nicht möglich, zum Ziel zu kommen, mache man sich erst gar nicht auf den Weg. Daher müsse Druck ausgeübt bzw. müssten Anreize geschaffen werden. Und Geld sei offenbar die einzige Sprache, die Wissenschaftler verstünden. Daher sei es an den Universitätsverwaltungen, ihren Wissenschaftlern zu sagen: Wenn ihr eure Arbeit nicht frei zugänglich macht, stellen wir euch nicht ein, gegen euch keine Forschungszuschüsse usw.
Das sei die Peitsche. Das Zuckerbrot sei, dass es ausreichend empirische Belege dafür gebe, dass Artikel, die frei zugänglich sind, häufiger zitiert werden – und Zitierungen sind immerhin die wichtigste Münze der wissenschaftlichen Reputation. Gerade die so genannte Zeitschriftenkrise, die darin bestehe, dass Bibliotheken sich die Abos wichtiger Zeitschriften nicht mehr leisten könnten, führe zu einer Verstärkung dieses Arguments: Wenn die Uni-Bibliothek kein Abo mehr hat, finden ihre Wissenschaftler nur noch die Artikel, die offen zugänglich sind – und können auch nur noch die zitieren. „Forscher verlieren jeden Tag ‚research impact’, wenn sie ihre Beiträge nicht offen zugänglich machen“, so Harnad.
Allerdings sei der Weg des amerikanischen National Institutes of Health (NIH) falsch, die die Forscher verpflichten wollten, alle Artikel in einer bestimmten Zeitschrift zu veröffentlichen (PubMedCentral). Vielmehr sei es überhaupt kein Problem, den Forschern zu überlassen, wo sie veröffentlichen – solange sie die Arbeiten auch ins Open Access-System einspeisten.
In den Arbeitsgruppen wurden bestimmte Probleme der Open Access-Umsetzung behandelt. Ich war in der zum Thema „Institutional Repositories“. Dort wurde vor allem eins deutlich: Der Begriff Open Access selber wird für alles mögliche verwendet. Hatte ich vor der Konferenz den Eindruck, er sei beschränkt auf „echte“ wissenschaftliche Arbeiten, also eben vor allem Zeitschriftenbeiträge, wurde in der Sitzung klar, dass an vielen Hochschulen alles, was irgendwie in die Datenbank eingespeist werden kann, willkommen ist – bis hin zu Semesterapparaten. Die meisten Vortragenden wiesen darauf hin, alle diese Inhalte zu verwenden, um überhaupt Akzeptanz an der Universität zu schaffen. Wenn man erst eine funktionierende Infrastruktur habe, könne man die Funktionsträger auch leichter davon überzeugen, dass es sich um eine gute Sache handele.
Auch hier wieder Einspruch von Harnad (nicht ganz so vehement wie sonst): Es müsse vor allem um die wissenschaftliche Beiträge gehen, nicht um irgendwelche. In der Diskussion wurde aber genau hier deutlich, dass Harnads Ansatz zwar prinzipiell richtig ist, aber eben nur extrem schwer umzusetzen: Kaum ein Open Access-Praktiker, der nicht davon berichtete, wie weit die Wege zur Uni-Leitung seien und wie gering dort das Verständnis für die Idee.
Von einer Situation, in der die Universitätsleitung ihren Wissenschaftlern – immerhin teilweise ForscherInnen mit Weltruf – vorschreiben wird, dass sie ihre Publikationen gefälligst über ein Open Access Repository zur Verfügung zu stellen haben, ist man in Deutschland noch weit entfernt.
Es gäbe noch so viel mehr zu berichten von einer interessanten Veranstaltung, aber wer hat schon soviel Zeit? Siehe auch meinen Bericht vom Open Access-Workshop am Wissenschaftskolleg zu Berlin.
Posted by Matthias Spielkamp at 24.05.05 18:43Vielen Dank fuer den nuetzlichen Bericht! Ich habe eine Menge gelernt. Dass eine so hohe Mehrheit der Verlage so aufgeschlossen ist, wie Ihr Bericht deutlich macht, hat mich ueberrascht. In Zukunft werde ich Verlagsvertraege mit Blick auf die Open Access-Option gruendlicher pruefen.
Wurde zufaellig auch ueber die Einbringung von Altberichten in Repositories gesprochen? Ich meine damit Veroeffentlichungen, die nicht heute neu erscheinen, sondern aus grauer Vorzeit stammen, als es OA nicht gab?
Freut mich, dass Ihnen der Beitrag gefallen hat. Die Zahlen kann man wohl alle auf Harnads Website bzw. in seinen Aufsätzen finden, die selbstverständlich alle offen zugänglich sind. Ich finde die Website allerdings sehr schlecht organisiert und bin noch nicht dazu gekommen, nach den Daten zu suchen.
>> Wurde zufaellig auch ueber die Einbringung von Altberichten in Repositories gesprochen? Ich meine damit Veroeffentlichungen, die nicht heute neu erscheinen, sondern aus grauer Vorzeit stammen, als es OA nicht gab?
Nein, darüber wurde nicht gesprochen. Technisch sollte das kein Problem sein, aber die Frage ist natürlich, ob eine Institution Inhalte von jemandem in ein Repository stellt, der nicht mit der Institution verbunden ist - oder nicht mehr. Kommt wahrscheinlich auf den Einzelfall an.
Posted by: Matthias Spielkamp at 25.05.05 10:08Zwei internationale Übersichten, die durch das JISC (2004, 2005) geleitet werden haben gefunden, daß die meisten Forscher selbst-archivieren nichtund antworten, daß sie werden es nicht tun biss ihre Arbeitgeber oder Geldgeber sie benötigen, so zu tun. Wenn sie angefordert werden, um zu archivieren jedoch antworten 81% von Forschern, daß sie bereitwilligarchivieren, 14%, daß sie widerstrebend einwilligen, und nur 5% der
Antwort, daß sie nicht einwilligen.
Swan, A and Brown, S. (2004) JISC/OSI JOURNAL AUTHORS SURVEY
Report. JISC Report http://cogprints.org/4125/
Swan, A. and Brown, S. (2005) Open access
self-archiving: an author study. To be
published by the JISC (Joint Information Systems
http://bmj.bmjjournals.com/cgi/eletters/330/7500/1097#107010
http://www.ecs.soton.ac.uk/~harnad/Temp/alma-amst.pdf
Besten Dank für den wertvollen Bericht von der jüngsten OA-Veranstaltung in Göttingen, an der ich leider nicht teilnehmen konnte.
Ich möchte zum einen die im Raum stehenden 92 Prozent anzweifeln. Man sollte vielleicht daran erinnern, dass es sich dabei nur um 92 % der untersuchten (!) Journals handelt, die Self-Archiving erlauben. Ansonsten kann ich nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen, dass im Bereich der Geisteswissenschaten und speziell in Jura die Situation eine andere ist und Zweitveröffentlichungen mühsam ausgehandelt werden müssen. Harnads Credo: es gibt keine oder kaum Copyright-Probleme bei Open-Access ist schlicht falsch! Denn: in der Mehrzahl der Fälle werden über Standardverträge über einen mehrjährigen Zeitraum (exklusive) Nutzungsrechte eingeräumt. Wenn nun zunehmend mehr Verlage sich "großzügig" verhalten ist dies erfreulich, aber umkehrbar und ändert nichts an der Abhängigkeitsposition der Wissenschaftler.
Mein urheberrechtlicher Vorschlag für eine gesetzliche Option auf Open-Access-Archiving (vgl. GRUR Int. 2005, 378ff.) versucht demgegenüber folgendes Problem zu lösen.
Die Reaktion der meisten Wissenschaftler auf Open Access lautet intuitiv: „Ja, klar, wie kann man gegen einen offenen Zugang zu Wissen sein?“ Die Zustimmung zu Open Access ist aus dem Bauch heraus groß. Nur schnell kommt die Frage: wie ist das man den Rechten? Diese Unsicherheit lässt meines Erachtens (zu) viele Wissenschaftler vor einer eigenen Open-Access-Publikation zurückschrecken. Um hier Abhilfe zu schaffen, schlage ich einen neuen Satz 3 in § 38 Abs. 1 UrhG vor, der lauten könnte:
„An wissenschaftlichen Beiträgen, die im Rahmen einer überwiegend mit öffentlichen Mitteln finanzierten Lehr- und Forschungstätigkeit entstanden sind und in Periodika erscheinen, hat der Urheber auch bei Einräumung eines ausschließlichen Nutzungsrechts das Recht, den Beitrag nach Ablauf von sechs Monaten seit Erstveröffentlichung anderweitig öffentlich zugänglich zu machen, soweit dies zur Verfolgung nicht kommerzieller Zwecke gerechtfertigt ist.
Die vorgeschlagene, zwingende Regelung § 38 Abs. 1 Satz 3 UrhG würde über eine zeitliche Befristung der ausschließlichen Nutzungsrechtseinräumung eine gesetzlich garantierte Option für eine Open Access-Zweitveröffentlichung im Internet schaffen. Im Gegensatz zum Vorschlag einer Anbietungspflicht (s. KMK) bliebe somit der Wissenschaftler in seiner Entscheidung frei. Aber nicht nur das: durch eine vertraglich nicht abdingbare Regelung in § 38 I S. 3 UrhG würde Klarheit geschaffen. Denn bislang sind viele juristische Laien damit überfordert zu klären, ob sie mit einer Open Access-Publikation irgendwelche Rechte verletzen. Eine transparente gesetzliche Regelung würde hier Abhilfe schaffen. Vor allem dieses Transparenzbedürfnis verdeutlicht die Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung.
Letztlich handelt es sich bei dem Vorschlag natürlich um einen pragmatischen Kompromiss zwischen Open Access-Enthusiasten und Verlegerinteressen. Durch bereichsspezifisch unterschiedlich lange exklusive Auswertungszeiträume für die Verlage wird dabei versucht, den berechtigten Amortisierungsinteressen der Verlage Rechnung zu tragen. Wer auf der anderen Seite befürchtet, eine solche zeitlich verzögerte, gesetzliche Open Access-Archiving-Option sei eine Verschlechterung zum Status quo, viele Verlage erlaubten schon jetzt unmittelbares Self-Archiving parallel zur Erstveröffentlichung, übersieht, dass diese Möglichkeit durch die gesetzliche Regelung unbenommen bleibt. Wer seine Beiträge ohne zeitliche Verzögerung ins Netz stellen möchte und in der Lage ist, seine Rechte dementsprechend zu wahrzunehmen, der kann dies auch weiterhin tun. Die breite Masse aber, die es als lästig begreift oder sich überfordert fühlt, sich mit diesen urheberrechtlichen Fragen gegenüber den Verlagen auseinandersetzen, bekäme eine klare Regelung an die Hand, was sie darf und was nicht.
Der Vorschlag kann dabei letztlich nur ein Mosaikstein sein. Nur eine isolierte gesetzliche Option für Open Access zu schaffen, reichte nicht aus. Deshalb ist es von eminenter Bedeutung zusätzliche Anreizsysteme für Open Access zu schaffen und für Open Access zu werben. Ich denke insoweit stimme ich mit Matthias Spielkamp und Stevan Harnad absolut überein.