Ich hatte mich bereits etwas gewundert, das nicht füher zu lesen: Die Association of American University Presses (AAUP), die nichtkommerzielle Vereinigung von 125 Universitätsverlagen, hat Google darauf hingewiesen, dass das "Google Print"-Programm für Bibliotheken möglicherweise gegen das Urheberrecht verstößt. Das berichtet cnet News.com.
In einem Brief an Google (PDF, 250 KB) stellt die Vereinigung einige Fragen zum Status des Programms. Peter Givler, geschäftsführender Direktor der AAUP, sagte gegenüber cnet: "Die Behauptung, Google Print für Bibliotheken sei durch Fair Use gedeckt, ist zumindest fragwürdig." Fair Use ist eine Art Schrankenregelung des US-Copyright-Systems, die es beispielsweise erlaubt, aus geschützten Werken zu zitieren.
"Wenn es sich nicht um Fair Use handelt, ist es eine gigantische Urheberrechtsverletzung", ergänzte Givler.
Eileen Rodriguez von Google sagte am Dienstag, dass Google die Rechte der Urheber respektiere und dass das Google Print-Programm einige Vorkehrungen enthalte, Bücher nur so anzuzeigen, dass das Urheberrecht nicht verletzt werde - etwa, indem nur bibliografische Informationen oder lediglich einzelne Sätze aus Büchern angezeigt würden, die geschützt sind. Wie sinnvoll derartige Inhalte dann noch sind, ist eine ganz andere Frage.
Ganz ähnliche Fragen wie bei Google dürften bei der Initiative für eine Europäische Digitale Bibliothek auftauchen. Ich schreibe hier absichtlich nicht: "die kürzlich von sechs europöischen Staats- und Regierungschefs angestoßen wurde", denn jeder, der sich auch nur ein wenig mit dem Thema auskennt bzw. im Internet recherchieren kann, weiß, dass es Initiativen für die Digitalisierung von Bibliotheken in Europa schon lange gibt.
Googles Ankündigung hatte Poltikern lediglich die Chance gegeben, auf eine - nur wenig latent - chauvinistische Art zu reagieren und nach einem europäischen Alternativprojekt zu rufen. Nun: Wenn's was nützt, etwa indem mehr Geld dafür locker gemacht wird, soll's mir recht sein. Ohnehin kann man Google nur dankbar sein für seine Kreativität, und dass sie damit unaufhörlich andere darauf aufmerksam machen, was die alles bisher versäumt haben.
Posted by Matthias Spielkamp at 25.05.05 15:05