Im Economist ist ein interessanter Kommentar zum Grokster-Fall erschienen, auf den ich erst jetzt aufmerksam gemacht wurde. Vor allem die letzten vier Absätze lassen aufhorchen. Sinngemäß schreibt der Autor / die Autorin:
"Der Oberste Gerichtshof der USA hat versucht, einen Mittelweg zu finden zwischen den Ansprüchen (der Rechteinhaber und der Tauschbörsenfirmen), und er hat einigermaßen gute Arbeit geleistet. Dennoch ist das Ergebnis des Verfahrens unbefriedigend. Daran trägt nicht das Gericht die Schuld. Es hat damit gerungen, ein Copyright-Gesetz anzuwenden, das im digitalen Zeitalter mehr als altmodisch ist. Dem abzuhelfen, ist Aufgabe des US-Kongresses.
In den USA wurde die Schutzdauer für Werke im Laufe eines Jahrhunderts enorm verlängert, von rund 28 Jahren auf 95 Jahre. Ein ähnlicher Trend kann in anderen Ländern beobachtet werden. Im Juni hat Großbritannien signalisiert, dass dort die Schutzdauer von 50 auf 90 Jahre verlängert werden könnte.
Das ergibt keinen Sinn. Das Copyright war ursprünglich dazu gedacht, ein Anreiz zur Veröffentlichung zu sein, indem es Verlegern ein zeitlich befristetes Monopol auf Werke verlieh, so dass sie ihre Investitionen wieder hereinholen konnten. Aber das Internet und die Digitaltechnologien haben es einfacher und billiger gemacht, zu veröffentlichen. Verleger sollten daher weniger, nicht mehr Eigentumsrechte benötigen, um ihre Investitionen zu schützen. Technologie hat die Waage ausschlagen lassen zugunsten der „Public Domain“ (also dem öffentlichen Zugang aller zu immateriellen Güter, in Deutschland von Volker Grassmuck und Attac auch Wissens-Allmende genannt).
Ein erster, brauchbarer Schritt wäre eine drastische Verkürzung der Schutzdauer auf ihre ursprüngliche Länge – 14 Jahre, einmal erneuerbar um die gleiche Dauer. Das sollte Medienunternehmen reichlich Gelegenheit geben, ihr Geld zu verdienen – und Konsumenten, reichlich Gelegenheit, die Back-Kataloge zu rippen, mischen, brennen, ohne das Gesetz zu brechen. Der Oberste Gerichtshof der USA hat einigermaßen widerwillig den Copyright-Piraten die Flügel gestutzt; es wird Zeit, dass der US-Kongress das gleiche mit den eingesessenen Rechteinhabern tut."
Zwar ist die Aussage, Copyright sei nur "dazu gedacht, ein Anreiz zur Veröffentlichung zu sein, indem es Verlegern ein zeitlich befristetes Monopol auf Werke verlieh, so dass sie ihre Investitionen wieder hereinholen konnten", selbst für anglo-amerikanische Verhältnisse verkürzt. Auch dort spielen Urheberpersönlichkeitsrechte eine Rolle, wenn auch viel weniger als etwa im kontinentaleuropäischen Rechtsraum.
Dennoch ist die Forderung, die Schutzdauer zu verkürzen, in einer der einflussreichsten Wirtschaftspublikationen des Englischen Sprachraums bemerkenswert.
Posted by Matthias Spielkamp at 07.07.05 10:41