31.12.03

Potato - die Zukunft des Musikvertriebs?

Ganz knapp vor dem Ende des Jahres noch ein sehr interessantes Interview: Ich habe mit Oliver Schütz gesprochen, der das Berliner online-Musikmagazin dorfdisco.de betreibt. Er wird der erste sein, der das revolutionäre neue Potato-Musikvertriebssystem verwenden wird, das Rüdiger Grimm und Jürgen Nützel an der TU Ilmenau gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT) entwickelt haben (das IDMT ist aus dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) hervorgegangen, wo die MP3-Komprimierungstechnologie erfunden wurde). Ich scheue mich nicht, das Wort revolutionär zu verwenden, auch wenn in dieser Szene beinahe jede neue Idee als revolutionär bezeichnet wird.

Das System hier zu erläutern, würde den Rahmen sprengen; Henning Kohler, Pressesprecher des IDMT, hat aber versprochen, dass zu Beginn des Jahres 2004 sowohl die Potato-Website, als auch der Aufritt des IDMT komplett überarbeitet online gehen werden. Hoffentlich stimmt das, denn gerade die Potato-Seiten lassen derzeit sehr zu wünschen übrig.

Nur soviel: Potato kommt ohne Digitales Restriktions-Management (DRM) aus, beteiligt die Künstler substanziell - und nicht nur mit Almosen - am Verkauf ihrer Songs und hat das Potenzial, auch als Vermarktungssystem ein Erfolg zu werden, denn jeder kann Songs, die ihm/ihr gefallen, völlig legal weiterverkaufen und daran sogar noch verdienen.

Seit ich das erste Mal davon gelesen habe, suche ich das Haar in der Suppe; bisher erfolglos. Wer es findet, schreibt mir bitte sofort eine Mail.

Oliver Schütz jedenfalls will noch nicht verraten, welche Musiker die ersten sein werden, die ihre Songs in der Dorfdisco über Potato verkaufen werden, aber es sollen auch prominente Berliner Kapellen darunter sein. (Dorfdisco, Potato - man kommt sich vor wie auf'm Land, statt an der Spitze der Innovation...)

2004 verspricht spannend zu werden...

Posted by Matthias Spielkamp at 15:50 | Comments (1)

Ein neues Weblog

Im dritten Anlauf ist es dann endlich gelungen, Movable Type zu konfigurieren. Nun starte ich mein eigenes Weblog. Und ich merke sofort, wie groß die Versuchung ist, im ersten Beitrag viele Zeilen zu schreiben, die niemanden interessieren - nur, weil es möglich ist. Das Narzismus-Problem.

Nur so viel: Mein Blog heißt immateriblog, weil ich mich in erster Linie der Diskussion um die so genannten "Immaterialgüter" widmen möchte, also um Musik, Software, Texte, Patente und vieles mehr.

Ich benutze bedacht nicht den Begriff "geistiges Eigentum", denn ihn zu verwenden ist der erste Schritt in die falsche Richtung - im Sinne Siva Vaidhyanathans, der mit seinem Buch "Copyrights and Copywrongs" den Versuch unternimmt, die Bedingungen der Diskussion zu ändern - weg vom "property talk", hin zu einer neuen Strategie: "Instead of bolstering 'intellectual property,' we should be forging 'intellectual policy.'" (S.12). Das lässt sich leider nur schwer ins Deutsche übersetzen, aber es bedeutet etwa: statt die Idee des "geistigen Eigentums" zu zementieren, die mehr Schaden anrichtet als Nutzen stiftet, gilt es, eine neue Verfahrensweise zu entwickeln für den Umgang mit geistigen Erzeugnissen.

Mal sehen, ob ich etwas dazu beitragen kann. Wer sich anschauen möchte, was ich kürzlich dazu geschrieben habe, findet in der brand eins-Ausgabe 10/2003 meinen Text "Wem gehört das Recht?"

Posted by Matthias Spielkamp at 09:48 | Comments (1)